Poisson sur sable
Entlang der Atlantikküste von Agadir, Marokko durch die West-Sahara und Mauretanien nach Dakar, Senegal.
Friday, February 15, 2013
Riz au poisson
Mit dem Übergang von der West-Sahara nach Mauretanien verändert sich auch die Zubereitung des Fisches, der an der Küste in rauhen Mengen gefangen wird und abends auf den Teller kommt. Nördlich der Grenze dominieren Zubereitungsarten, die man auch in Europa findet, fritture, brochette und grillade. Fisch, Pommes frites und Gemüse bzw. Salat werden mehr oder weniger säuberlich getrennt auf dem Teller serviert.
Ab Nouadhibou überwiegen an der Küste aber schwarzafrikanische Einflüsse, besonders die aus dem Senegal. (Die arabischstämmigen Nomaden betrieben keinen Fischfang, und ihre Nachfahren kennen daher keine eigenen Fischgerichte.) Das bedeutet, dass der Fisch in seine Einzelteile zerlegt wird und eine überdimensionierte Reisschüssel ziert, in der sich neben dem Reis selbst noch verschiedene gedünstete Gemüse befinden. Das ganze wird mit dem schmackhaften Gemüsefonds übergossen, der dem Reis seine rötliche Farbe gibt.
Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Gericht bereits gegessen habe. Sei es in einem senegalesischen Restaurant in Nouadhibou, in einem gottverlassenen Camping am Meer, oder auf dem harten Boden einer Busagentur in Nouakchott. Am letzten Tag der Reise habe ich es sogar zweimal gegessen: in einer Garküche auf Gorée und in meiner Hotelbar in Dakar. Es scheint so verbreitet zu sein wie Plov in Zentralasien. Genau wie dort gibt es auch bei riz au poisson kleine, aber bedeutsame Varianten: die verwendete Fischsorte, die Schärfe, mit der selbiger gebraten oder gegrillt wurde, die Konsistenz des Reises, die Zusammenstellung der Gemüse und den Geschamck der Sauce.
Aber jedesmal war es vorzüglich. Nicht nur weil es so vorzüglich zum leicht salzigen, aber nie aufdringlichen Geruch des Atlantiks passt. Riz au poisson, der Allerweltsname des Gerichts, bekennt sich zu seinen Wurzeln in der senegalesischen Volksküche, wo es als Thie Bou Dienne bekannt ist. Der schlichte Name verschweigt aber, dass diese in großen Blechschüsseln aufgetragene und zumeist mit den Fingern gegessene Speise Opulenz und Leichtigkeit, Frische und Nahrhaftigkeit, vereint.
Monday, February 4, 2013
Bilder aus dem mauretanischen Landesinneren
Ich fasse mich kurz und lasse Bilder anstelle von Worten sprechen:
Die Oase Azougui bei Atar, von der Passhöhe aus gesehen:
Die Ruinen von Ouadâne:
Die Moschee der alten Karawanenstadt Chinguetti:
Die Ruinen von Ouadâne:
Die Moschee der alten Karawanenstadt Chinguetti:
Besonderheiten des mauretanischen Verkehrs
1. Der Fuhrpark. Besteht im Wesentlichen aus 30 Jahre alten Mercedes-Limousinen, japanischen Geländewagen (im Binnenland) und Eselskarren.
2. Ampeln. Im ganzen Land ungefähr 10. Dafür ab und zu Polizisten, die den Verkehr regeln.
3. Kreisverkehr. Gibt es ab und zu. Dann meistens überdimensioniert.
4. Öffentlicher Transport. Auf den Hauptachsen (von Nouakchott nach Nouadhibou, Atar und evtl. Nema) gibt es Minibusse mit festen Zeiten. Ansonsten die sogenannten Buschtaxis (taxi-brousse), in dem sich ca. 10 Menschen in einen Mercedes-Kombi quetschen, Gepäck auf dem Dach. Ein Fall für Stoßgebete, aber es gibt keine Alternative.
5. Kamele: ein häufig auftretendes Hindernis, das sich nicht groß um den Verkehr kümmert und zum Bremsen zwingt.
6. Ziegen (I). Was die Kamele außerorts sind, sind die Ziegen innerorts: ein Ärgernis. Die Mauretanier lassen ihr Vieh auch in der Stadt frei herumlaufen.
7. Ziegen (II). Sondergepäck, das in einem Sack verschnürt auf dem Dach eines Busses transportiert wird. Als ich meiner Verwunderung über diese Reisegefährten äußere (die Viecher schreien wie am Spieß), wird mir beschieden, dass dies normal sei. Vor dem muslimischen Opferfest sind es wohl gerne auch mal 10 Stück! 8. Schlaglöcher. Gibt es viele. Der Fahrer meines Buschtaxis nach Rosso wich ihnen gerne aus und fuhr dann am äußersten linken (!!!) Rand der Straße.
9. Pisten. Der Weg nach Ouadâne, Chinguetti und andere historische Stätten verläuft teilweise oder ganz über sie. Wirbeln viel Staub auf.
10. Checkpoints. Gibt es sehr viele, und zwar von verschiedenen Institutionen (Polizei, Gendarmerie, Surete Nationale). Dann dauert es eine Viertelstunde, bis die Herrschaften die Passdaten des reisenden Ausländers kopiert haben – es sei denn, man hat in rauhen Mengen “fiches” (Fotokopien des Passes) dabei. Unverzichtbares Reiseutensil.
11. Verkehr. Glücklicherweise weniger dicht als in Neapel, denn...
12. Regeln. Keine.
2. Ampeln. Im ganzen Land ungefähr 10. Dafür ab und zu Polizisten, die den Verkehr regeln.
3. Kreisverkehr. Gibt es ab und zu. Dann meistens überdimensioniert.
4. Öffentlicher Transport. Auf den Hauptachsen (von Nouakchott nach Nouadhibou, Atar und evtl. Nema) gibt es Minibusse mit festen Zeiten. Ansonsten die sogenannten Buschtaxis (taxi-brousse), in dem sich ca. 10 Menschen in einen Mercedes-Kombi quetschen, Gepäck auf dem Dach. Ein Fall für Stoßgebete, aber es gibt keine Alternative.
5. Kamele: ein häufig auftretendes Hindernis, das sich nicht groß um den Verkehr kümmert und zum Bremsen zwingt.
6. Ziegen (I). Was die Kamele außerorts sind, sind die Ziegen innerorts: ein Ärgernis. Die Mauretanier lassen ihr Vieh auch in der Stadt frei herumlaufen.
7. Ziegen (II). Sondergepäck, das in einem Sack verschnürt auf dem Dach eines Busses transportiert wird. Als ich meiner Verwunderung über diese Reisegefährten äußere (die Viecher schreien wie am Spieß), wird mir beschieden, dass dies normal sei. Vor dem muslimischen Opferfest sind es wohl gerne auch mal 10 Stück! 8. Schlaglöcher. Gibt es viele. Der Fahrer meines Buschtaxis nach Rosso wich ihnen gerne aus und fuhr dann am äußersten linken (!!!) Rand der Straße.
9. Pisten. Der Weg nach Ouadâne, Chinguetti und andere historische Stätten verläuft teilweise oder ganz über sie. Wirbeln viel Staub auf.
10. Checkpoints. Gibt es sehr viele, und zwar von verschiedenen Institutionen (Polizei, Gendarmerie, Surete Nationale). Dann dauert es eine Viertelstunde, bis die Herrschaften die Passdaten des reisenden Ausländers kopiert haben – es sei denn, man hat in rauhen Mengen “fiches” (Fotokopien des Passes) dabei. Unverzichtbares Reiseutensil.
11. Verkehr. Glücklicherweise weniger dicht als in Neapel, denn...
12. Regeln. Keine.
Ensablement (II)
Entlang der Straße nach Nouakchott befindet sich auch das mit spanischem Geld erbaute, sehr informative Besucherzentrum des Banc d'Arguin-Nationalparks. Hier erhält Marius eine folgenschwere Information: es gebe eine neue Piste nach Nhamgar, an der Baie de St. Jean gelegen, “comme du goudron” (wie Asphalt). Marius beschließt, dies auszuprobieren und dort zu übernachten, anstelle nach Nouakchott weiterzufahren. Zunächst geht alles gut, auch wenn die Piste bedeutend schlechter ist als erhofft. Dann aber endet sie plötzlich, und wir müssen mehrfach die Sandplatten gebrauchen, um den Bus zu befreien und zur parallel verlaufenden Piste am Strand vorzustoßen. Ich frage Marius, ob zurückkehren nicht die bessere Wahl ist – nein, nein, er kenne die am Ufer verlaufende Piste, und sobald man sie erreicht habe, liefe alles von selbst.
Keine halbe Stunde später stecken wir an einem berückend schönen Streifen Küste in the middle of nowhere hoffnungslos fest. Die Räder sind fast gänzlich im Sand eingesunken, es gibt kein vor, kein zurück, auch nicht mit Sandplatten. Einem Auto sind wir schon lange nicht begegnet, und bald geht die Sonne unter. Zudem haben wir weder Handyempfang noch Zelte noch ausreichend Proviant und Wasser an Bord.
In solchen aussichtslosen Situationen ertönt im Western das Signal der anrückenden Kavallerie. Für uns ist dies die Silhouette zweier französischer Jeeps: zwei Ehepaare, die auf dem Rückweg aus Guinea-Bissau nach Bordeaux sind, zögern nicht mit Hilfe eines Taus den Karren aus dem Sand zu ziehen. Allerdings tun sie dies mit soviel Elan, dass wir uns miteinander fragen, ob die nächste Rettungsaktion darin besteht, den Bus mit vereinten Kräften aus der stabilen Seitenlage zu befreien. Glücklicherweise geht aber alles gut.
Nach ausgiebigem Dank erreichen wir beim Sonnenuntergang das Dorf Nhamgar und richten uns im ortseigenen “Camping” häuslich ein. Dies sind zwei Holzhütten, die schon seit Monaten nicht mehr gebraucht wurden und weder über Elektrizität noch über fließend Wasser verfügen. Dafür liegen sie aber einsam und abgeschieden am Meer, das sich im Nachglanz der Sonne zur Ruhe bereitet. Zu dieser Stunde der Dämmerung gleicht das Blau des Wassers bereits der Tintenfarbe: tief und unergründlich, aber noch glitzern Lichtblitze auf den kleinen, wie lose Blätter hin- und herwogenden Wellen. Am Westhorizont leuchtet derweilen der Himmel noch blutorangen, was der ganzen Szene etwas Surreales und Übersteigertes verleiht.
Man hat uns im Dorf versprochen, es kämen ein Elektriker und Essen für alle. Letzteres lässt auf sich warten. Der Elektriker kommt wirklich – aber vor allem weil Marius bei einer kleinen Tour ins Dorf einen Strompfahl beim Rangieren beschädigt hat, der das ganze Dorf in nächtliches Dunkel hüllt. (Man sieht kaum einen Unterschied, da die wenigsten Hütten Elektrizität haben.) Die finanzielle Seite ist schnell und sehr glimpflich geregelt, aber unserem Kofferraum geht es weniger gut: er lässt sich durch die verbogene Stoßstange nämlich nicht mehr öffnen, so dass wir am nächsten Morgen das Auto via die Rückbank beladen.
Da das Essen immer noch nicht eintrifft und manche schon gar nicht mehr damit rechnen, schwimme ich eine Runde im Mondlicht, und siehe da, gerade als ich wieder an Land gehe, mit dem appetitanregenden Salzgeschmack auf den Lippen, wird eine Riesenschlüssel poisson au riz angeliefert. Sie dachten, wir wären mit 14 Leuten. Klar, dass das was länger dauert.
Obwohl wir den ganzen Tag kaum etwas gegessen haben, bleibt ordentlich was über. Wir gehen schnell schlafen, weil am nächsten Tag müssen wir früh aufstehen. Es geht den Strand entlang Richtung Nouakchott, und das geht nur bei Ebbe. (Denselben Weg zurückzufahren war keine Option, warum, dürfte klar sein.)
Pünktlich zum Sonnenaufgang, der ein weiches goldenes Licht über den blauen Himmel wirft, geht es los. Wir brauchen noch ein letztes Mal die Sandplatten, um den Strand zu erreichen. Dann sind wir unten. Dort können wir nur auf einem wenige Meter schmalen Streifen zwischen Dünen und Meer fahren – ansonsten würden wir direkt einsinken. Aber das geht flott – bedauerlich ist nur, dass ich kaum Fotos machen kann, da Marius Angst hat, dass wir bei einer Pause den Wagen danach nicht mehr flottkriegen.
Es wird eine atemberaubende Fahrt, auf der wir baumhohe Dünen passieren, die nahezu senkrecht ins Meer fallen. Nach einer Stunde und knapp 50 km sind wir – leider – am Ziel und nun geht es über die Schnellstraße in die mauretanische Hauptstadt, wo ich die Gruppe wie geplant verlasse, um in die Adrar, das mauretanische Binnenland, zu reisen. Ja, es gibt noch mal eine Reifenpanne, deren Reparatur etwas länger dauert (wir können den Kofferraum ja nicht öffnen). Aber was soll's: es war eine spannende, faszinierende und manchmal auch aufregende Tour! Allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön!
Keine halbe Stunde später stecken wir an einem berückend schönen Streifen Küste in the middle of nowhere hoffnungslos fest. Die Räder sind fast gänzlich im Sand eingesunken, es gibt kein vor, kein zurück, auch nicht mit Sandplatten. Einem Auto sind wir schon lange nicht begegnet, und bald geht die Sonne unter. Zudem haben wir weder Handyempfang noch Zelte noch ausreichend Proviant und Wasser an Bord.
In solchen aussichtslosen Situationen ertönt im Western das Signal der anrückenden Kavallerie. Für uns ist dies die Silhouette zweier französischer Jeeps: zwei Ehepaare, die auf dem Rückweg aus Guinea-Bissau nach Bordeaux sind, zögern nicht mit Hilfe eines Taus den Karren aus dem Sand zu ziehen. Allerdings tun sie dies mit soviel Elan, dass wir uns miteinander fragen, ob die nächste Rettungsaktion darin besteht, den Bus mit vereinten Kräften aus der stabilen Seitenlage zu befreien. Glücklicherweise geht aber alles gut.
Nach ausgiebigem Dank erreichen wir beim Sonnenuntergang das Dorf Nhamgar und richten uns im ortseigenen “Camping” häuslich ein. Dies sind zwei Holzhütten, die schon seit Monaten nicht mehr gebraucht wurden und weder über Elektrizität noch über fließend Wasser verfügen. Dafür liegen sie aber einsam und abgeschieden am Meer, das sich im Nachglanz der Sonne zur Ruhe bereitet. Zu dieser Stunde der Dämmerung gleicht das Blau des Wassers bereits der Tintenfarbe: tief und unergründlich, aber noch glitzern Lichtblitze auf den kleinen, wie lose Blätter hin- und herwogenden Wellen. Am Westhorizont leuchtet derweilen der Himmel noch blutorangen, was der ganzen Szene etwas Surreales und Übersteigertes verleiht.
Man hat uns im Dorf versprochen, es kämen ein Elektriker und Essen für alle. Letzteres lässt auf sich warten. Der Elektriker kommt wirklich – aber vor allem weil Marius bei einer kleinen Tour ins Dorf einen Strompfahl beim Rangieren beschädigt hat, der das ganze Dorf in nächtliches Dunkel hüllt. (Man sieht kaum einen Unterschied, da die wenigsten Hütten Elektrizität haben.) Die finanzielle Seite ist schnell und sehr glimpflich geregelt, aber unserem Kofferraum geht es weniger gut: er lässt sich durch die verbogene Stoßstange nämlich nicht mehr öffnen, so dass wir am nächsten Morgen das Auto via die Rückbank beladen.
Da das Essen immer noch nicht eintrifft und manche schon gar nicht mehr damit rechnen, schwimme ich eine Runde im Mondlicht, und siehe da, gerade als ich wieder an Land gehe, mit dem appetitanregenden Salzgeschmack auf den Lippen, wird eine Riesenschlüssel poisson au riz angeliefert. Sie dachten, wir wären mit 14 Leuten. Klar, dass das was länger dauert.
Obwohl wir den ganzen Tag kaum etwas gegessen haben, bleibt ordentlich was über. Wir gehen schnell schlafen, weil am nächsten Tag müssen wir früh aufstehen. Es geht den Strand entlang Richtung Nouakchott, und das geht nur bei Ebbe. (Denselben Weg zurückzufahren war keine Option, warum, dürfte klar sein.)
Pünktlich zum Sonnenaufgang, der ein weiches goldenes Licht über den blauen Himmel wirft, geht es los. Wir brauchen noch ein letztes Mal die Sandplatten, um den Strand zu erreichen. Dann sind wir unten. Dort können wir nur auf einem wenige Meter schmalen Streifen zwischen Dünen und Meer fahren – ansonsten würden wir direkt einsinken. Aber das geht flott – bedauerlich ist nur, dass ich kaum Fotos machen kann, da Marius Angst hat, dass wir bei einer Pause den Wagen danach nicht mehr flottkriegen.
Es wird eine atemberaubende Fahrt, auf der wir baumhohe Dünen passieren, die nahezu senkrecht ins Meer fallen. Nach einer Stunde und knapp 50 km sind wir – leider – am Ziel und nun geht es über die Schnellstraße in die mauretanische Hauptstadt, wo ich die Gruppe wie geplant verlasse, um in die Adrar, das mauretanische Binnenland, zu reisen. Ja, es gibt noch mal eine Reifenpanne, deren Reparatur etwas länger dauert (wir können den Kofferraum ja nicht öffnen). Aber was soll's: es war eine spannende, faszinierende und manchmal auch aufregende Tour! Allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön!
Monday, January 28, 2013
Ensablement (I)
Nach Nouadhibou steht für unsere Vogelfreunde, Gerke und Ipe, Anke und Leon, der Höhepunkt der Reise an: zwei Nächte im Banc d'Arguin-Nationalpark, wo verschiedenste Zugvögel an der Atlantikküste ihr Winterquartier aufschlagen. Allerdings ist der Zugang aus Mangel an Asphaltstraßen etwas umständlich, da unser Fiat Ducato über keinen Vierradantrieb verfügt.
Meistens bedeutet dies nicht mehr als ein ständiges Rütteln oder Schütteln, aber an einigen Stellen haben feste Dünen oder Sandwind aus der inneren Sahara den Boden dermaßen aufgeweicht, dass unser Auto einsinkt. Ein ensablement. Dann heißt es alle aussteigen, Luft aus den Reifen, Sandplatten vom Dach, und die Räder mit den Händen freigraben. Nachdem Marius erkundet hat, welcher Querfeldeinweg einen griffigeren Untergrund als die Piste bietet, schieben wir das Auto an und insch'allah – es bewegt sich und sandet (in den meisten Fällen) nicht 10 Meter weiter wieder ein. Marius fährt dann vor und wir laufen hinterher. Da man mit Flipflops schlecht anschieben kann, gewinnt “barfuß durch die Wüste” für mich eine neue Bedeutung.
Der Unterhaltungswert dieser Unterbrechungen sinkt aber in dem Maße, wie sie sich häufen. Nachdem wir ein letztes, abschüssiges Sandfeld, wo sich die Piste zwischen Felsen und Dünen zur Küstenebene hinabwindet, überquert haben, ist es aber geschafft und wir düsen mit knapp 60 km/h nach Iouik, unserem Etappenziel. Es gibt dort eine Ansammlung ärmlicher Fischerhütten, ein paar etwas weniger ärmliche Hütten, in denen niederländische Forscher ihrer Arbeit nachgehen, und ein “Camping” – das heißt, ein paar geräumige Nomadenzelte auf einem Hügel über dem Ort, in denen wir unsere Schlafsäcke auf bereits vorhandene stabile Matrattzen legen können. Ansonsten gibt es nichts: bräunlich-graue Erde, mti Seegras bewachsene Sandbänke und Wasser, viel blaues Wasser. Da wir endlich einmal zeitig ankommen, kann jeder den Nachmittag auf seine Weise genießen. In meinem Fall bedeutet das, surprise, surrpise, Strandspaziergang und Schwimmen.
Den nächsten Tag verbringen wir auf einer Lanche – einem kanarischen Segelboot, das die örtlichen Fischer dazu nutzen, den Fisch einzubringen oder die sehr spärlichen Touristen herumzufahren. 2012 war bereits ein Topjahr – ganze 180 Touristen fanden sich ein, um diesen Segeltörn mitzumachen. Im Jahr davor waren es 56.
Ich überschlage diesen sehr beeindruckenden Ausflug und berichte nur, dass der Slogan vom Wattenmeer under tropischer Sonne insofern irreführt, dass er die bei Flut im Wasser versinkenden Mangrovenwälder und die Unmengen von Flamingos, Kormoranen und Pelikanen, die vor uns vorbeifliegen, verschweigt. Alle sind in ihrem Element (in meinem Fall: das Wasser). Später empfängt uns Sidi, der Leiter des Campings, der in Murmansk (!!!) studiert hat und ausgezeichnet Russisch spricht (in jedem Fall viel besser als ich), zur obligatorischen Teezeremonie, die mit viel Hin- und Hergeschütte sowie Unmengen von Zucker einhergeht.
An diesem weltvergessenen Ort könnten wir es sicher länger als zwei Nächte aushalten, aber die Gruppe muss sechs Tage später aus Gambia zurückfliegen. So machen wir uns denn nach einem hastigen Frühstück zurück zur Straße – diesmal dauert die Tour keine drei, sondern viereinhalb Stunden – und verspeisen im Gare du Nord, einer Art Raststätte auf halbem Wege zwischen Nouadhibou und Nouakchott, unseren Lunch, ein Baguette mit Pommes frites, Zwiebeln und Kamelfleisch.
Meistens bedeutet dies nicht mehr als ein ständiges Rütteln oder Schütteln, aber an einigen Stellen haben feste Dünen oder Sandwind aus der inneren Sahara den Boden dermaßen aufgeweicht, dass unser Auto einsinkt. Ein ensablement. Dann heißt es alle aussteigen, Luft aus den Reifen, Sandplatten vom Dach, und die Räder mit den Händen freigraben. Nachdem Marius erkundet hat, welcher Querfeldeinweg einen griffigeren Untergrund als die Piste bietet, schieben wir das Auto an und insch'allah – es bewegt sich und sandet (in den meisten Fällen) nicht 10 Meter weiter wieder ein. Marius fährt dann vor und wir laufen hinterher. Da man mit Flipflops schlecht anschieben kann, gewinnt “barfuß durch die Wüste” für mich eine neue Bedeutung.
Der Unterhaltungswert dieser Unterbrechungen sinkt aber in dem Maße, wie sie sich häufen. Nachdem wir ein letztes, abschüssiges Sandfeld, wo sich die Piste zwischen Felsen und Dünen zur Küstenebene hinabwindet, überquert haben, ist es aber geschafft und wir düsen mit knapp 60 km/h nach Iouik, unserem Etappenziel. Es gibt dort eine Ansammlung ärmlicher Fischerhütten, ein paar etwas weniger ärmliche Hütten, in denen niederländische Forscher ihrer Arbeit nachgehen, und ein “Camping” – das heißt, ein paar geräumige Nomadenzelte auf einem Hügel über dem Ort, in denen wir unsere Schlafsäcke auf bereits vorhandene stabile Matrattzen legen können. Ansonsten gibt es nichts: bräunlich-graue Erde, mti Seegras bewachsene Sandbänke und Wasser, viel blaues Wasser. Da wir endlich einmal zeitig ankommen, kann jeder den Nachmittag auf seine Weise genießen. In meinem Fall bedeutet das, surprise, surrpise, Strandspaziergang und Schwimmen.
Den nächsten Tag verbringen wir auf einer Lanche – einem kanarischen Segelboot, das die örtlichen Fischer dazu nutzen, den Fisch einzubringen oder die sehr spärlichen Touristen herumzufahren. 2012 war bereits ein Topjahr – ganze 180 Touristen fanden sich ein, um diesen Segeltörn mitzumachen. Im Jahr davor waren es 56.
Ich überschlage diesen sehr beeindruckenden Ausflug und berichte nur, dass der Slogan vom Wattenmeer under tropischer Sonne insofern irreführt, dass er die bei Flut im Wasser versinkenden Mangrovenwälder und die Unmengen von Flamingos, Kormoranen und Pelikanen, die vor uns vorbeifliegen, verschweigt. Alle sind in ihrem Element (in meinem Fall: das Wasser). Später empfängt uns Sidi, der Leiter des Campings, der in Murmansk (!!!) studiert hat und ausgezeichnet Russisch spricht (in jedem Fall viel besser als ich), zur obligatorischen Teezeremonie, die mit viel Hin- und Hergeschütte sowie Unmengen von Zucker einhergeht.
An diesem weltvergessenen Ort könnten wir es sicher länger als zwei Nächte aushalten, aber die Gruppe muss sechs Tage später aus Gambia zurückfliegen. So machen wir uns denn nach einem hastigen Frühstück zurück zur Straße – diesmal dauert die Tour keine drei, sondern viereinhalb Stunden – und verspeisen im Gare du Nord, einer Art Raststätte auf halbem Wege zwischen Nouadhibou und Nouakchott, unseren Lunch, ein Baguette mit Pommes frites, Zwiebeln und Kamelfleisch.
Am Cap Blanc
Der erste Eindruck von Mauretanien nach der gräßlichen Grenze ist ernüchternd. Die Außenbezirke der Hafenstadt Nouadhibou, der ökonomischen Kapitale des Landes (ca. 120.000 Einwohner), begrüßen uns mit ärmlichen Stein- und Holzhütten, auf der Straße herumlaufenden Vieh und Müll, der überall herumliegt.
Wir fahren weiter zum Cap Blanc, das die Halbinsel abschließt, auf der Nouadhibou liegt. Auf der Innenseite des Kaps, in der Baie Lévrier, liegen zahlreiche ausgediente Schiffe vor Anker, die reiche Industrienationen hier entsorgt haben – wahrscheinlich ein Deal mit einer früheren, korrupten Regierung. Auch am Kap selbst liegt ein Schiff am Strand – ein großer Fischkutter, der im Jahr 2004 aufgrund eines Manövrierfehlers dort gelandet ist und seitdem vor sich hinrostet. Allerdings harmoniert das Rostrot des Kutters vorzüglich mit dem Rot des Sandes oben auf den Klippen – mineralischer Sand, der vom nahegelegenen Umschlaghafen für Mineralien herübergeweht wird. Dieser wiederum kontrastiert herrlich mit dem gelblichen Sand und dem dunkelgrünen Dünengras unten am Strand. Ein herrlicher Ort, dessen Ausstrahlung ebenso auf die Natur wie – seltener Fall – auf den Menschen zurückzuführen ist.
Wir sind die einzigen Besucher des Nationalparks, den die Spitze dieser Halbinsel bildet. Der Sandsturm hat sich mittlerweile gelegt und gibt uns die Gelegenheit durchzuschnaufen und die Landschaft zu erkunden. Zunächst werden wir von einem freundlichen Parkwächter zu einem kleinen Museum und zum Leuchtturm begleitet. Dort sichten wir eine der vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben, die dort ihr Revier hat. Dann steigen wir, durch ein Tau abgesichert, herunter zum Strand, wo ich mir die Gelegenheit, neben dem Schrottschiff zu schwimmen, nicht entgehen lasse. Die Strapazen des Grenzübergangs, eher mental als körperlich, fallen von mir ab und entspannt kehren wir nach Nouadhibou zurück, wo wir später ein ausgezeichnetes senegalesisches Essen in einem Hinterhof-Restaurant einnehmen und für Frans und mich einen Chekh, das Kopftuch der Nomaden der Sahara, erwerben. Nach überstandenem Sandsturm weiß ich, dass dies kein Symbol religiöser Fanatiker, sondern bare Notwendigkeit in der Wüste ist.
Wir fahren weiter zum Cap Blanc, das die Halbinsel abschließt, auf der Nouadhibou liegt. Auf der Innenseite des Kaps, in der Baie Lévrier, liegen zahlreiche ausgediente Schiffe vor Anker, die reiche Industrienationen hier entsorgt haben – wahrscheinlich ein Deal mit einer früheren, korrupten Regierung. Auch am Kap selbst liegt ein Schiff am Strand – ein großer Fischkutter, der im Jahr 2004 aufgrund eines Manövrierfehlers dort gelandet ist und seitdem vor sich hinrostet. Allerdings harmoniert das Rostrot des Kutters vorzüglich mit dem Rot des Sandes oben auf den Klippen – mineralischer Sand, der vom nahegelegenen Umschlaghafen für Mineralien herübergeweht wird. Dieser wiederum kontrastiert herrlich mit dem gelblichen Sand und dem dunkelgrünen Dünengras unten am Strand. Ein herrlicher Ort, dessen Ausstrahlung ebenso auf die Natur wie – seltener Fall – auf den Menschen zurückzuführen ist.
Wir sind die einzigen Besucher des Nationalparks, den die Spitze dieser Halbinsel bildet. Der Sandsturm hat sich mittlerweile gelegt und gibt uns die Gelegenheit durchzuschnaufen und die Landschaft zu erkunden. Zunächst werden wir von einem freundlichen Parkwächter zu einem kleinen Museum und zum Leuchtturm begleitet. Dort sichten wir eine der vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben, die dort ihr Revier hat. Dann steigen wir, durch ein Tau abgesichert, herunter zum Strand, wo ich mir die Gelegenheit, neben dem Schrottschiff zu schwimmen, nicht entgehen lasse. Die Strapazen des Grenzübergangs, eher mental als körperlich, fallen von mir ab und entspannt kehren wir nach Nouadhibou zurück, wo wir später ein ausgezeichnetes senegalesisches Essen in einem Hinterhof-Restaurant einnehmen und für Frans und mich einen Chekh, das Kopftuch der Nomaden der Sahara, erwerben. Nach überstandenem Sandsturm weiß ich, dass dies kein Symbol religiöser Fanatiker, sondern bare Notwendigkeit in der Wüste ist.
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