Monday, January 28, 2013

Ensablement (I)

Nach Nouadhibou steht für unsere Vogelfreunde, Gerke und Ipe, Anke und Leon, der Höhepunkt der Reise an: zwei Nächte im Banc d'Arguin-Nationalpark, wo verschiedenste Zugvögel an der Atlantikküste ihr Winterquartier aufschlagen. Allerdings ist der Zugang aus Mangel an Asphaltstraßen etwas umständlich, da unser Fiat Ducato über keinen Vierradantrieb verfügt.

Meistens bedeutet dies nicht mehr als ein ständiges Rütteln oder Schütteln, aber an einigen Stellen haben feste Dünen oder Sandwind aus der inneren Sahara den Boden dermaßen aufgeweicht, dass unser Auto einsinkt. Ein ensablement. Dann heißt es alle aussteigen, Luft aus den Reifen, Sandplatten vom Dach, und die Räder mit den Händen freigraben. Nachdem Marius erkundet hat, welcher Querfeldeinweg einen griffigeren Untergrund als die Piste bietet, schieben wir das Auto an und insch'allah – es bewegt sich und sandet (in den meisten Fällen) nicht 10 Meter weiter wieder ein. Marius fährt dann vor und wir laufen hinterher. Da man mit Flipflops schlecht anschieben kann, gewinnt “barfuß durch die Wüste” für mich eine neue Bedeutung.

Der Unterhaltungswert dieser Unterbrechungen sinkt aber in dem Maße, wie sie sich häufen. Nachdem wir ein letztes, abschüssiges Sandfeld, wo sich die Piste zwischen Felsen und Dünen zur Küstenebene hinabwindet, überquert haben, ist es aber geschafft und wir düsen mit knapp 60 km/h nach Iouik, unserem Etappenziel. Es gibt dort eine Ansammlung ärmlicher Fischerhütten, ein paar etwas weniger ärmliche Hütten, in denen niederländische Forscher ihrer Arbeit nachgehen, und ein “Camping” – das heißt, ein paar geräumige Nomadenzelte auf einem Hügel über dem Ort, in denen wir unsere Schlafsäcke auf bereits vorhandene stabile Matrattzen legen können. Ansonsten gibt es nichts: bräunlich-graue Erde, mti Seegras bewachsene Sandbänke und Wasser, viel blaues Wasser. Da wir endlich einmal zeitig ankommen, kann jeder den Nachmittag auf seine Weise genießen. In meinem Fall bedeutet das, surprise, surrpise, Strandspaziergang und Schwimmen.

Den nächsten Tag verbringen wir auf einer Lanche – einem kanarischen Segelboot, das die örtlichen Fischer dazu nutzen, den Fisch einzubringen oder die sehr spärlichen Touristen herumzufahren. 2012 war bereits ein Topjahr – ganze 180 Touristen fanden sich ein, um diesen Segeltörn mitzumachen. Im Jahr davor waren es 56.

Ich überschlage diesen sehr beeindruckenden Ausflug und berichte nur, dass der Slogan vom Wattenmeer under tropischer Sonne insofern irreführt, dass er die bei Flut im Wasser versinkenden Mangrovenwälder und die Unmengen von Flamingos, Kormoranen und Pelikanen, die vor uns vorbeifliegen, verschweigt. Alle sind in ihrem Element (in meinem Fall: das Wasser). Später empfängt uns Sidi, der Leiter des Campings, der in Murmansk (!!!) studiert hat und ausgezeichnet Russisch spricht (in jedem Fall viel besser als ich), zur obligatorischen Teezeremonie, die mit viel Hin- und Hergeschütte sowie Unmengen von Zucker einhergeht.

An diesem weltvergessenen Ort könnten wir es sicher länger als zwei Nächte aushalten, aber die Gruppe muss sechs Tage später aus Gambia zurückfliegen. So machen wir uns denn nach einem hastigen Frühstück zurück zur Straße – diesmal dauert die Tour keine drei, sondern viereinhalb Stunden – und verspeisen im Gare du Nord, einer Art Raststätte auf halbem Wege zwischen Nouadhibou und Nouakchott, unseren Lunch, ein Baguette mit Pommes frites, Zwiebeln und Kamelfleisch.

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